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Toast To Freedom

Vor einer Weile wurde ich eingeladen, mit einer ganzen Menge anderer Musiker*innen zusammen unter dem Namen „LE Freedom Project“ den Song „Toast To Freedom“ von Carl Carlton und Larry Campbell aufzunehmen. Das ganze Projekt war gedacht, um kurz vor der kommenden Landtagswahl ein Statement für Freiheit, Menschenrechte und -würde und gegen die Bestrebungen von rechts, die genau das unterhöhlen, zu setzen. Es ist furchtbar schade, dass es aktuell unumgänglich scheint, schon für so basale Werte aufzustehen und ich hoffe, dass Aktionen wie dieser Song dabei helfen können, den Diskurs ein bisschen dahin verschieben können, Menschenrechte als selbstverständlich und indiskutabel zu begreifen.

Krieg der Zahlen und ein neues Video

Dieses Internet ist eine merkwürdige Sache. Mit dem Beginn der Albumpromo fing ich beinahe reflexartig an, in immer kürzer werdenden Abständen, die eigene Onlineperformance zu überprüfen. Klicks, Streams, Follower, Eindrücke, Likes, Watchtime, Verweildauer – die Zahl der statistischen Kenngrößen wirkt, als hätte der Internetgott zum Geburtstag eine Informatik-Piñata über den sozialen und unsozialen Medien zerklöppelt. Und wie es so viele Statistiken an sich haben, sagt es einem mehr über die Welt, sich die Leute anzuschauen, die sie rezipieren. In meinem Fall wird der Blick auf die eigenen Zahlen zu einem absurden Wettkampf gegen mich, die Zeit, die Welt, befreundete Künstler*innen. Kleinigkeiten bauschen sich zu weltbewegenden Ereignissen auf. Die AfD könnte in zwei Wochen stärkste Kraft im sächsischen Landtag sein? Egal – das Video zu „Lass uns“ hat 1000 Views! Der Klimawandel ist dramatischer als bisher angenommen? Das ist nichts dagegen, dass ich gestern nur 6 Streams bei Spotify hatte!

Es ist wohl auch ein langer Weg zur Medienkompetenz als Kunstschaffender. Ein kleiner Schritt dahin ist es, zu entscheiden, was für die eigene Musik wirkliche Relevanz besitzt und was nur mathematische Augenwischerei und Großmacherei ist. Das wird leichter, wenn man tagelang geplant, organisiert, arrangiert, aufgenommen, gemischt und kommuniziert hat, um am Ende ein wunderschönes Video als Erinnerungsstück an ein fantastisches Konzert zu sehen. Das ist nämlich dieses Wochenende passiert – das Video von „Herein“ und „Was soll man dazu noch sagen?“ vom Releasekonzert ist herausgekommen. Und ich bin ein wenig stolz. Diesmal, glaube ich, zu Recht.

Resümee und Ausblick

Fast genau einen Monat ist es jetzt her, dass wir die Releasetour beendet haben. Das heißt, dass ich seit fast genau einem Monat diesen Text hier schreiben will. Die Sache mit der Webpräsenz ist echt mein Ding.

Einen Monat ist es jetzt also her, dass ich mir einen meiner größten und ältesten Kindheitsträume erfüllen konnte. Ich habe ein Album herausgebracht und bin damit auf Tour gefahren. Krass, wenn man darüber nachdenkt. Und krass auch, wie viel Unterstützung ich dabei erfahren habe. Zu allererst natürlich von meiner großartigen Band und meiner fantastischen Frau. Ihr möchtet euch nicht vorstellen, was die mit mir aushalten mussten, und ich möchte mir nicht vorstellen, was aus dem Album ohne sie geworden wäre. Daneben gab es aber auch so viele weitere Leute, die dieses Projekt getragen, gefördert und begleitet haben und ich werde jetzt beim Schreiben schon wieder sentimental, wenn ich darüber nachdenke. All den Leuten, die an dem Album und der Tour mitgearbeitet, mitgedacht, mitorganisiert, mitgefühlt oder irgendwie anders mitgeholfen haben sei an dieser Stelle gesagt: VIELEN DANK! Egal, wie sehr ich mich in das Projekt reinhänge, wäre es nichts ohne Menschen wie euch!

Der Vorteil, wenn man etwas Zeit verstreichen lässt, bevor man so ganz offiziell zurückschaut, ist, dass man in der Zwischenzeit schon etwas Abstand gewinnen konnte. Das ganze Release mitsamt Tour war für mich eine Achterbahn der Gefühle und die Bandbreite reichte von „nächstes Jahr Olympiastation“ bis „nie wieder Musik“. Mittlerweile hat sich das Ganze etwas beruhigt und ich kann mit Überzeugung sagen, dass ich wirklich froh und zufrieden bin.

Mittlerweile weiß ich auch, was beim nächsten Mal alles besser laufen kann. Und das ist auch schön zu merken: Auch wenn ich die letzten Wochen in einem Zustand existentieller Erschöpfung durch die Welt schwebte, dauerte es nur bis etwa zwei Tage nach dem Releasekonzert, dass ich den Wunsch verspürte, das nächste Album, die nächste Tour, die nächsten Projekte zu planen. Schön, wenn alle Anstrengung einen nicht davon abhält, zu machen, was einem Freude bereitet.

Und wenn wir gerade dabei sind, hier eine Liste von Vorhaben, die entweder so oder anders oder gar nicht in nächster Zeit von mir angegangen werden:

  • das unüberschaubare Archiv alter Handynotizen und Sprachmemos nach brauchbaren Ideen durchforsten
  • neue Songs schreiben
  • Solokonzerte spielen
  • Konzerte besuchen
  • mit anderen Musiker*innen kollaborieren
  • Steuererklärung
  • mal wieder mehr elektronische Musik machen (ob das wohl jemals veröffentlich wird?)
  • ein bisschen DJen
  • einen Nebenjob suchen
  • tanzen gehen
  • zum Friseur gehen
  • neue Bandmitglieder und -besetzungen einspielen
  • üben
  • Eis essen
  • ein neues Album planen

Es gibt also gut und Gutes zu tun. Ich glaube ich fange mit Eisessen an, dann ist das schonmal abgehakt.

Euch ist heute ein Album geboren

Es ist vollbracht: Heute wird mein erstes Album released! Es ist ein merkwürdiges Gefühl, zu wissen, dass die CD, an der ich so lange gearbeitet habe, in die ich so viel Herzblut, Zeit und Energie gesteckt habe, jetzt endgültig in die Welt entlassen wird. Ich schwanke minütlich zwischen Euphorie (endlich können es alle hören), Angst (vielleicht will es aber keiner hören) und einer eigentümlichen Unbeteiligtheit (eigentlich ist ja alles wie gehabt). Aber zum Glück fängt ja heute auch unsere Tour an, ich habe also gar keine Zeit, weiter drüber nachzudenken. Glück gehabt!

Stellungnahme zur Absage vom „Pax Terra Musica“

Hiermit möchte ich gemeinsam mit meiner Band öffentlich meine Zusage zur Teilnahme am Pax Terra Musica 2019 zurückziehen. Zunächst möchte ich mich bei den Organisator*innen für die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten entschuldigen. Es ist mein Fehler, dass ich mich nicht im Vorfeld meiner Zusage hinreichend informiert habe und erst jetzt absage. Ich wurde von den Organisator*innen sehr unterstützt – nicht zuletzt durch die Verwendung des Songs „Durch Pfützen“ im Festivaltrailer. Weil ich mich explizit nicht vom Festival in Gänze, sondern nur von einzelnen Kooperationspartner*innen und durch sie vertretene Ansichten, distanziere und keine weiteren Probleme für die ehrenamtlichen Organisator*innen verursachen möchte, soll in diesem Rahmen gesagt sein, dass die Verwendung des Songs im Video nach wie vor von mir erlaubt ist (wenn sie nach wie vor mit dem Lied werben wollen).

In der Folge versuche ich die Gründe für die Absage darzustellen. 

Wie mir bei meiner heutigen Recherche aufgefallen ist, stand das Festival bereits bei seiner ersten Durchführung 2017 in der medialen Kritik, weil einzelne der vertretenen Gruppen und Redner*innen Nähe zu rechtsextremen und/oder antisemitischen Verschwörungstheorien aufweisen. Das ist mir bei einer ersten flüchtigen „Prüfung“ des Lineups für dieses Jahr nicht aufgefallen, weil sich im Netzwerk des Festivals auch einige Gruppen und Initiativen befinden, deren Ziele meines Erachtens absolut unterstützenswert sind und mir die anderen selbst nicht bekannt waren (und natürlich auch andere Gruppen auftreten als in dem Jahr, auf das sich der Artikel bezieht). Außerdem distanziert sich das PTM auf seiner Seite explizit von „faschistischen und menschenverachtenden Meinungen und Ansichten“ und behält sich vor „solche Gruppen jederzeit […] vom Festival auszuschließen“. Diese Stellungnahme möchte ich auch gar nicht in Frage stellen. Doch auch wenn explizit faschistische Meinungen vom Festival ausgeschlossen sind, so stehen Beteiligte – wie z.B. der wichtige PR-Partner KenFM – für Argumentationen einer Systemkritik, die ich im besten Fall für logisch unhaltbar, im schlimmsten Fall demokratiefeindlich, zersetzend und gefährlich halte.

Auf die oben erwähnte Kritik reagierte das Festival seinerzeit mit einer Stellungnahme, in der Geschäftsführer Malte Klingauf diese Distanzierung ebenfalls bekräftigt. Hierin wird erklärt, dass es dem Festival um einen Dialog „alle[r| friedlichen Menschen und Organisationen geht.“ Außerdem erklärt Malte Klingauf, dass man für einen solchen Austausch natürlich nicht die Meinungen des anderen vollständig teilen müsse. Ich befürworte das Ansinnen des PTM einen diskursiven Austausch zu führen, indem möglichst wenige Meinungsäußerungen ausgeschlossen und tabuisiert werden, grundsätzlich. Im privaten Kontext möchte ich jedem Menschen das Recht geben in eine faire Diskussion mit mir zu treten und seine Ansichten äußern und vertreten zu können. Das Problem, das ich nun aber sehe, ist, dass es sich bei einem Festival nicht um einen privaten Austausch sondern eine öffentliche Plattform handelt.

Wenn hier jemand eine Meinung vertritt, habe ich keinen Einfluss darauf, wer auf welche Weise davon angesprochen wird. Deswegen sind hier meiner Meinung nach die Hürden dafür, was gesagt werden darf, höher anzusetzen. Weil ich aber bei einigen der anwesenden Organisationen nicht sicher sein kann, dass die Plattform nicht dafür genutzt wird, z.B. antisemitische oder antidemokratische Statements zu vertreten, möchte ich nicht Teil dieser Plattform sein.

 

Links zum besseren Verständnis (Stand: 02.06.2019):

Artikel vom Tagesspiegel über das PTM 2017: https://www.tagesspiegel.de/berlin/umstrittenes-festival-in-brandenburg-feiern-mit-verschwoerungstheoretikern/19736922.html
Netzwerk und Partner des Festivals: https://www.pax-terra-musica.de/netzwerk-partner/
Stellungnahme von Malte Klingauf zur Kritik am Festival 2017: https://www.youtube.com/watch?v=iw2-t-A1vfM

„Mosaik“ ab jetzt vorbestellen

Jetzt sind es noch 30 Tage bis zum Release und das Album liegt seit einer Woche im Presswerk, während ich sehnsüchtig die fertigen CDs herbeisehne. Und weil es euch mit Sicherheit nicht anders geht, hier jetzt der unschlagbare Insidertipp: Ab heute könnt ihr das Album via bandcamp vorbestellen und dabei ganz early-bird-mäßig schon die Vorab-Single "Lass uns" herunterladen. Jetzt, da alles fertig ist, kann ich auch guten Gewissens sagen: Es lohnt sich!

Künstler für Kinder – Bildungspatenschaften in Ruanda

Als ich vor ein paar Monaten bei meiner Familie in Thüringen zu Besuch war, habe ich von einem Projekt erfahren, das ich an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.

In Ruhla im Thüringer Wald haben sich eine Reihe Engagierter im Ökumenischen 1Welt-Kreis zusammengefunden und gemeinsam unter anderem ein Projekt für Bildungspatenschaften in Ruanda ins Leben gerufen. Das Land, das bis 1916 Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika war, hat eine Geschichte, die von Kolonialisierung, autokratischen Regierungen, Bürgerkriegen und Menschenrechtsverletzungen geprägt ist. Ihren traurigen Höhepunkt fand die Geschichte Ruandas 1994 im Völkermord an den Tutsi. Um den Menschen, die in Ruanda am stärksten zu leiden haben, zur Seite zu stehen, unterhält der 1Welt-Kreis neben vielen anderen Tätigkeiten ein Bildungspatenschaftsprogramm, durch das benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht wird.

Als Teil der Aktion „Künstler für Kinder“ werbe ich für das Projekt des 1Welt-Kreises und möchte euch ganz herzlich einladen, das Projekt selbst aktiv zu unterstützen!

Wichtige Informationen zum Programm findet ihr unter folgenden Links:
http://oneworld.bplaced.net/1wk/rwinbrief.html (Kurzinfo zum Patenschaftsprojekt in Ruanda)
http://www.st-concordia.de/gem1welt.htm (Kurzinfo über den Ökumenischen 1Welt-Kreis)
https://ecu1wk.wordpress.com (Blog des 1Welt-Kreises mit Möglichkeiten zu Spenden und zur Teilnahme am Patenschaftsprojekt)